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Der französische Streetartist "JR" macht gesellschaftliche Themen und Probleme im öffentlichen Raum sichtbar – gerne überdimensional und ganz persönlich ...
Damit unterscheidet er sich heute von vielen Aktivisten der Steetartbewegung, denen es vornehmlich darum geht, sich durch auffällige Werke im öffentlichen Raum einen Namen zu machen. Von ähnlichen Anfangsmotiven getrieben entwickelten sich die Arbeiten JR`s jedoch nach und nach weiter und wurden dabei immer politischer, ungewöhnlicher und innovativer - wenn auch keinesfalls weniger ehrgeizig.
JR begann seine ungewöhnlichen Aktionen, nachdem er mit einer gefundenen Kamera seine Freunde und sich bei nächtlichen Streetart-Aktivitäten fotografiert hatte und die Fotos später in den Straßen aufhängte. Aus der Idee entwickelte sich das Konzept, die Straße nicht nur als Galerie für Kunst aus der Sprühdose, sondern auch als Ausstellungsort für eigene Fotos zu nutzen, um Zuschauer zu erreichen, die nie in eine Gallerie oder ein Museum gehen.
Eines der ersten Projekte waren Portraits von Kleinkriminellen aus französischen Vororten, deren Gesichter JR in den besseren Gegenden von Paris plakatierte. Der Gedanke dahinter war, den von der Gesellschaft pauschal verteufelten Jugendlichen der Problembezirke ein Gesicht zu geben und die einzelne Person mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu rücken. Obwohl die Ausstellung der Werke illegal war, reagierte die Öffentlichkeit nicht mit der Forderung nach konsequenter Strafverfolgung sondern mit Begeisterung.
Für JR war es die Bestätigung dafür, weiter mit Papier und Kleister etwas zu bewegen. Die unerwartete Resonanz erregte internationale Aufmerksamkeit und gab den Anschub, auch internationale Aktionen durchzuführen. Inzwischen gibt JR ungehörten Menschen an vielen Orten der Welt durch seine Aktionen ein Gesicht, indem er ihre überdimensionalen Augen und Gesichter im öffentlichen Raum platziert. Seine Werke können durchaus als Aufruf verstanden werden, die Realität mit ihrer Armut, Intoleranz, und gesellschaftlichen Missständen nicht einfach auszublenden, sondern etwas gegen die Probleme zu unternehmen.
JRs Projekte schlagen damit Brücken und fordern Toleranz ein. Das gefürchtete Gesicht des vermeintlich gefährlichen "Anderen" oder "Fremden" strahlt dem Betrachter in mehr als einer Aktion ganz direkt und natürlich oder sogar humorvoll von den Wänden der eigenen Stadt entgegen. Inzwischen haben seine Aktionen auf verschiedenen Kontinenten stattgefunden und seine Poster in beeindruckenden Dimensionen haben unzählige Wände und Dächer auf der ganzen Welt vorübergehend bedeckt.
Die Spur seiner Arbeit zieht sich von Paris über die europäischen Hauptstädte bis nach Afrika, Asien und Südamerika. Dabei macht JR weder vor der Grenzmauer zwischen den Palästinensergebieten und Israel, noch vor den Favelas von Rio de Janeiro halt. Mit Projekten wie "Face 2 Face" und "Woman are Heroes" sowie Publikationen und Dokumentationen der Projekte hat es JR inzwischen zu großer Bekanntheit gebracht. Neben Auszeichnungen für die filmische Dokumentation seiner Projekte erhielt JR 2011 den mit 100.000 US-Dollar dotierten TED-Preis, mit dessen Hilfe die nächsten Projekte realisiert werden sollen.
Quellen: www.jr-art.net, www.wikipedia.de

