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Donnerstag 17. Juni 2010
Rio de Janeiro: Favela Painting
© haas & hahn

© haas & hahn

Den Stadtvätern Rio de Janeiros sind die Favelas seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge. Seit Ende März bemalen in Rio de Janeiro nun die Einwohner einer Favela 33 Häuser. Die Freiwilligen verschaffen sich mit der Arbeit sogar eine Berufsperspektive ...

Seit fünf Jahren leisten die beiden Holländer Jeroen Koolhaas und Dre Urhahn einen ebenso unkonventionellen wie wirkungsvollen Beitrag zur Aufwertung brasilianischer Favelas. "Favela Painting" nennen sie ihre Idee, die sie im Rahmen eines community driven projects gemeinsam mit den Bewohnern, insbesondere den Jugendlichen der jeweiligen Viertel, in die Tat umsetzen.

Besser bekannt sind die Initiatoren unter ihrem Künstlernamen Haas & Hahn. Nach Ihren Anweisungen weicht die Tristesse der unstrukturierten Siedlungsmassen Schritt für Schritt einem Meer leuchtender Farben. Unter fachkundiger Anleitung erlernen die Beteiligten dabei nicht nur den professionellen Umgang mit der Farbe, sondern auch den Bau von Gerüsten und die Einhaltung notwendiger Sicherheitsmaßnahmen.

Mehrfach hatten die Stadtväter Rio de Janeiros versucht, den Problemen der Favelas  in den letzten Jahrzehnten mit Gewalt Herr zu werden. Denn die unkontrolliert an den Hängen der Hügel emporwachsenden Elends-Siedlungen gelten als Brutstätten des Drogenhandels und der Kriminalität. Doch alle großflächigen Abrissvorhaben und Projekte zur Umsiedlung der Bewohner scheiterten bisher. Seit einigen Jahren setzen die Verantwortlichen daher eher auf eine Sanierung der Favelas. Dabei werden illegal errichtete Häuser häufig nachträglich legalisiert, Gemeinschaftseinrichtungen und Kanalisationsnetze gebaut sowie  Strom- und Wasseranschlüsse verlegt. Auch Selbstverwaltungs- und Sozialprogramme für die Bevölkerung sollen die wilden Siedlungen zu einem "normalen" Teil der Stadt machen.

Mit ihren Kunstprojekten treibt das holländische Duo diesen Gedanken nun visuell auf die Spitze. Der von Ihnen entwickelte neue "Look" der Favelas ist nicht nur in künstlerischer Hinsicht ein Erfolg, sondern bringt auch gesellschaftliche Veränderung. Die an dem Projekt beteiligten Jugendlichen erwerben im Rahmen der Arbeit bisher unbekannte Qualifikationen und werden für ihre Arbeit sogar bezahlt. Vielleicht ist dieser Effekt neben der farblichen Aufwertung der Elendsviertel der eigentliche Erfolg der Aktion. Denn mit dem Stolz der Bewohner auf ihr neu gestaltetes Viertel hat sich auch das Selbstwertgefühl der Bevölkerung gesteigert, bekanntermaßen eines der wichtigsten Elemente, um das eigene Leben zum Besseren zu wenden.

Quellen: www.favelapainting.com, www.archdaily.com, www.serendipity-suite.de

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