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Samstag 14. März 2009
TO DO! 2008 - Gewinner prämiert
© todo!

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Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. gab im Rahmen der 43. Internationalen Tourismusbörse in Berlin die Preisträger des internationalen TO DO! Wettbewerbs für sozialverantwortlichen Tourismus bekannt...

Die gleichrangigen Gewinner sind das Regional-Netzwerk REDE TUCUM aus dem brasilianischen Bundesstaat Ceará, die MOUNTAIN LODGES OF PERU in Cusco und Lima sowie erstmals ein Projekt aus der Schweiz: Die UNESCO BIOSPHÄRE ENTLEBUCH im Kanton Luzern. "Damit steht nach neun Jahren auch wieder ein europäisches Projekt auf dem TO DO!-Siegerpodest", so Studienkreis-Geschäftsführerin Dr. Wibke Reger. "Nach wie vor kommen mehr als 80 Prozent aller Preisträger und fast zwei Drittel der Projekt-Einreichungen aus Entwicklungs- oder Schwellenländern."
Die Projekte der diesjährigen Preisträger seien Paradebeispiele dafür, so Dr. Harry Lehmann in seiner Laudatio auf die jüngsten TO DO!-Gewinner, "dass eine nachhaltige Nutzung gleichzeitig der beste Schutz von natürlichen Ressourcen ist". Als Teil regionaler Wirtschaftskreisläufe biete ein "nachhaltig konzipierter Tourismus viele Vorteile: Er verbindet Naturschutz mit Traditionspflege, schafft Arbeitsplätze und fördert den interkulturellen Dialog zwischen Besuchern und Einheimischen." Der Leiter des Fachbereichs I - Umweltplanung und Nachhaltigkeitsstrategien beim Umweltbundesamt betonte außerdem: "Die preisgekrönten Projekte zeigen, dass die Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien im Tourismusbereich auf allen Teilen der Erde, in jedem sozio-kulturellen Umfeld, zum Erfolg führen."

Im Zentrum der Wettbewerbskriterien des TO DO! für einen sozialverantwortlichen Tourismus stehen u.a. die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen der ortsansässigen Bevölkerung bei Planung und Durchführung von Tourismusprojekten.
Sie soll durch aktive Partizipation der Einheimischen erfolgen. Dabei müssen für alle Beteiligten die Chancen und Risiken solcher Vorhaben transparent werden, ebenso das Ausmaß und die Streuung des wirtschaftlichen Nutzens.
Zu den Kriterien des Wettbewerbs zählen ferner die Gewährleistung der Attraktivität touristischer Arbeitsplätze sowie Maßnahmen zur Erhaltung und Stärkung der einheimischen Kultur.

Bei der Prämierung von "REDE TUCUM - Netzwerk für lokale Entwicklung" steht ein früherer TO DO!-Preisträger Pate. Das erfolgreiche Vorbild des Fischerdorfes Prainha do Canto Verde (TO DO! 99) hat maßgeblich dazu beigetragen, dass in den Folgejahren ein über mehrere hundert Kilometer Küstenlinie verteiltes, tourismus- und regionalpolitisch geprägtes Netzwerk entstanden ist. Die daran beteiligten zwölf Initiativen und Gemeinden liegen längs der traumhaft schönen Strände östlich und westlich von Fortaleza, der 3,5 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt von Ceará. Fast alle örtlichen Initiativen sind aus Abwehrkämpfen gegen Bau- und Bodenspekulanten hervorgegangen, um die steigende touristische Nachfrage selbstbestimmt zu steuern. Ferner ist es den Beteiligten wichtig, den damit einhergehenden Fortschritt nach eigenen, höchst partizipativen Maßstäben zu nutzen, um eine ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Entwicklung zu verwirklichen. Im Fokus der Preiswürdigkeit von REDE TUCUM steht nicht das einzelne touristische Projekt oder die einzelne touristische Leistung, sondern die Gesamtheit aller Aktivitäten eines auf Einwohner-Vereinen (Associaçãos dos Moradores) fußenden Netzwerks für die lokale Entwicklung in den Küstengebieten von Ceará.

Die REDE TUCUM-Mitglieder (überwiegend Fischerdörfer) sind entschiedene Befürworter einer durch sie selbst initiierten Tourismusentwicklung. Ihr Credo lautet: "Man kann sich vor dem Tourismus nicht verstecken. Deshalb ist es wichtig zu überlegen, welche Form von Tourismus man haben möchte." Entscheidend ist für alle Beteiligten das Schlagwort vom "Turismo Communitário". Dieser Begriff steht nicht etwa für ein von einer kommunalen Behörde entwickeltes Tourismuskonzept, sondern für ein lokal aktives, aber regional vernetztes Wirtschaftsmodell - zugunsten der armen, einheimischen Bevölkerung. Damit verbunden ist ein ganzheitlicher Ansatz kleinteiliger "Wertschöpfungsketten" auf der Basis lokaler, kooperativ organisierter Dorfgemeinschaften. Ziel ist, dass die Einheimischen selbst ein möglichst komplettes touristisches Angebot erbringen. Die dadurch erwirtschafteten Einnahmen können somit in der Gemeinde verbleiben, Arbeitsplätze vor Ort schaffen, die Abhängigkeit von der Fischerei verringern und dafür sorgen, dass junge Menschen eine Perspektive haben, ohne dass das jeweilige Dorf von einer fremdbestimmten Entwicklung überrollt wird.

Die Überwindung von Armut haben sich auch die MOUNTAIN LODGES OF PERU (MLP) zum Ziel gemacht. MLP ist ein Netzwerk auf der Mikroebene. Vermarktet werden gegenwärtig vier Lodges, die nur im Zusammenhang mit dem Konzept "Von Lodge zu Lodge entlang der Salkantay Route" gebucht werden können. Die Salkantay Route führt, alternativ zum häufig überlaufenen "Inkatrail", auf einem wenig frequentierten und landschaftlich imposanten Trekkingpfad von Cusco nach Machu Picchu (Gruppengröße vier bis maximal 14 Teilnehmer). Hintergrund für die Aktivitäten des Familienunternehmens MOUNTAIN LODGES OF PERU ist, dass sich dessen Gründer vorgenommen haben, bis zum Jahr 2015 - gemäß den UN-Milleniumszielen - in der Region längs der Salkantay Route die Armut zu beseitigen. Die Lodges bieten die Grundlage für dieses Unterfangen. So wurden zunächst Arbeitskräfte für den Bau der Lodges benötigt, danach für deren Betrieb. Die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von MLP kommen aus sehr armen Verhältnissen und haben vorher nie in der Hotellerie gearbeitet. Jahr für Jahr werden sie nun in der Nebensaison geschult. Das Anliegen von MOUNTAIN LODGES OF PERU ist es, ein touristisches Produkt der gehobenen Kategorie mit der sozialen und ökologischen Verantwortung eines Unternehmens zu verbinden. Die lokalen Gemeinschaften entlang der Salkantay Route sind wichtige Partner, die sich durch die gezielte Zusammenarbeit neue Einkommensquellen erschließen können. MLP hat es sich zur Aufgabe gemacht, die lokale kulturelle Identität und das Selbstwertgefühl der Menschen zu stärken sowie die Lebensformen der Andenkultur zu fördern. Durch die gewährleistete Partizipation haben die beteiligten Einheimischen erstmals eine Chance zur selbstbestimmten Entwicklung.

Um all diese Komponenten zu koordinieren und umsetzen zu können, gründete MLP die gemeinnützige Organisation Yanapana Peru. Ihre Aufgabenfelder umfassen außerdem die Beratung und Fortbildung der lokalen Kleinunternehmer und Partner von MLP. Yanapana (Quechua-Sprache für "Hilfe") wird zu 90 Prozent über das Unternehmen MOUNTAIN LODGES OF PERU finanziert sowie durch Sach- und Geldspenden von Privatpersonen und Institutionen.

Im Unterschied zu allen bisherigen TO DO!-Preisträgern kann mit der schweizerischen UNESCO BIOSPHÄRE ENTLEBUCH (UBE) erstmals ein Unesco Biosphärenreservat ausgezeichnet werden. Die Besonderheit der UBE liegt darin, dass hier keine bundes- oder regionalpolitischen und keine von außen angeregten Initiativen umgesetzt wurden. Vielmehr beauftragte die lokale Bevölkerung bei Gemeindewahlen im Jahr 2000 (mit 94 Prozent "JA"-Stimmen) die Verantwortlichen in den Gemeinden, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Schon im Folgejahr wurde die Region Entlebuch als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt. Damit war es das erste Biosphärenreservat, das durch die Einbeziehung und Entscheidung seiner Bewohner ins Leben gerufen wurde - durch eine Willensbekundung "von unten". Das hat internationale Konsequenzen gezeitigt. Heute müssen sich weltweit alle UNESCO-Biosphärenbewerber am Partizipationsmodell Entlebuch orientieren.

Quelle: www.todo-contest.org