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Zu Weihnachten gehört für die meisten Deutschen ein geschmückter Tannenbaum ins Wohnzimmer. Was für Auswirkungen der massenhafte Anbau hat, ist jedoch wenig feierlich ...
Jedes Jahr werden in Deutschland zur Weihnachtszeit ca. 26 Millionen Weihnachtbäume verkauft. Davon stammen 24 Millionen aus heimischen Plantagen. Wenn man bedenkt, dass eine Tanne sechs bis acht Jahre braucht, um die Größe eines stattlichen Weihnachtsbaumes zu erreichen, ergibt sich eine beachtliche Anbaufläche für unseren Bedarf. Leider kommen die meisten Tannenbäume so wenig aus dem Wald, wie unsere konventionellen Eier von glücklichen Hünern stammen. Der größte Teil der Bäume wird nämlich in Monokulturen unter massivem Pestizideinsatz gepflanzt.
Aus Sicht der Bauern, die auf Weihnachtstannen als Einnahmequelle setzen, macht der Anbau von Weihnachtsbäumen im Vergleich zu Mischwald wirtschaftlich Sinn. Der Bestand der Bäume auf der Agrarfläche lässt sich auf acht Jahre planen anstatt auf 100 und der Ertrag der bewirtschafteten Fläche ist um ein Vielfaches höher als bei Mischwald. Darum hat eine Tannenplantage mit einem herkömmlichen Wald auch nichts zu tun. Insbesondere die Vielfalt unterschiedlicher Pflanzen, Tiere und Organismern, die ein Ökosystem stabil und wertvoll machen, ist beim Plantagenanbau so gut wie gar nicht gegeben. Ganz abgesehen von erholungssuchenden Spaziergängern, denen die geradlinigen Baumreihen ein unbehagliches Gefühl verursachen.
Absurderweise werden Baumschulen jedoch rechtlich genau so betrachtet wie gewachsener Mischwald. In der Konsequenz gilt daher die Neupflanzung von Weihnachtstannen als Aufforstung, was nach der Zerstörung von gewachsenen Waldflächen z.B. durch Orkane seltsame Blüten treibt und nach dem Orkan Kyrill im Jahre 2007 zum Beispiel zu einer Verdopplung der Anbauflächen von Weihnachtstannen im Sauerland führte. Für die Waldbauern ist dies ein Millionengeschäft - für die Natur und Landschaft eher eine Katastrophe.
Abhilfe ist so schnell nicht in Aussicht, auch wenn das Problem bereits erkannt wurde. Erst 2012 oder 2013 soll eine Überarbeitung des Forstgesetzes erfolgen, welche Baumplantagen den Status eines Waldes mit Erholungsmehrwert abspricht. Doch die neuen Plantagen sind nicht nur unschön, sondern tragen durch regelmäßigen Pestizideinsatz auch zur Schädigung der Umwelt bei.
Eine Initiative namens "Giftfreies Sauerland" wehrt sich nun dagegen, dass in unmittelbarer Umgebung ihres Heimatdorfes massive Tannenzucht unter Pestizideinsatz erfolgt. Die Kritiker befürchten, dass es durch das Spritzen der Tannenplantagen zu einer Belastung des Grundwassers und gesundheitlichen Beeinträchtigunge der Bevölkerung kommt. Auch wenn alle eingesetzten Chemikalien in Deutschland offiziell genehmigt sind, soll nun die reale Belastung der Umwelt durch genaue Messungen bestimmt werden – denn im Gegensatz zum normalen Mischwald wird in den Tannenplantagen kräftig gespritzt, damit die Pflanzen bei der Ernte dem Konsumentenideal des prächtigen Weihnachtsbaums entsprechen.
Wer sicher gehen will, zu Weihnachten keine Pestizid-Tanne aus Monokultur ins Wohnzimmer zu holen, sollte daher auf zertifizierte Bäume aus "naturnaher Forstwirtschaft" zurückgreifen. Auch wenn diese Tannen vielleicht nicht immer kerzengerade sind. Frohes Fest!
Quellen: www.heute.de, www.wdr.de

